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Das Wort „bizarr“ beschreibt recht präzise, daß ein Mann aus, sagen wir, Orlando in Florida geflogen kommen und in der Mitte eines Minenfeldes aufprallen kann. Nicht etwa in einem metaphorischen Minenfeld, sondern in einem echten, großen Minenfeld. Der Übergang war eine Sache von wenigen Tagen: Auf Wiedersehen Micky Maus, hallo Minenfeld. Hallo Iran.
Amerikanische Soldaten erhalten Geschenkpakete von Leuten, die sie nicht einmal kennen, und diese Pakete sind echte Moralverstärker. Amerikanische Soldaten bekommen Karten von Vorschülern aus dem ganzen Land, und die Soldaten tapezieren damit die Wände ihrer Kommandostellen und Krankenhäuser. Ich weiß nicht, was diese selbstgebastelten Karten mit ihren krakeligen Buchstaben, Strichmännchen und lachenden Sonnen an sich haben, aber immer wenn ich mich in Krankenhäusern im Irak befinde, heben diese von Kindern geschriebenen Karten meine Stimmung enorm. Ich habe auch gesehen, wie die Briten solche Karten und Pakete erhalten, aber bei weitem nicht in der Menge, Vielfalt und Häufigkeit, wie amerikanische Soldaten sie bekommen. Und natürlich zeigte sich nicht jeder gleichgültig gegenüber den britischen Anstrengungen im Irak. Was die Kämpfe der Briten anging, so lauerte der Feind immer im Hintergrund, aber erst mit Telic 9 und 10 erwachte er wirklich zum Leben.
Meine erste Einbettung bei britischen Truppen fand während Telic 9 statt, und während dieser etwa einmonatigen Phase dürften britische Verluste pro Kopf etwa zwei- bis dreimal höher als die amerikanischen im gleichen Zeitraum gewesen sein. Dies zu berechnen ist schwierig, da viele Variablen zu berücksichtigen sind – damals waren für jeden britischen Soldaten etwa 30 amerikanische Soldaten im Irak – aber die britischen Offiziere, mit denen ich sprach, stimmten dieser Einschätzung meist zu.
Es gab für die etwa 5.000 Briten im Irak tatsächlich eine Menge Schießereien und alle denkbaren Arten explodierender Sprengkörper, sowohl selbstgebastelte Varianten als auch solche von der Stange. Einige davon schlugen ziemlich nah ein; in drei aufeinander folgenden Operationen, die ich begleitete, gab es Tote. An einem Tag töteten die Briten etwa 26; in der nächsten Nacht wurde ich Zeuge eines Hinterhalts, in dem die Briten ungefähr acht töteten; und während der nächsten Operation gerieten wir in einen Hinterhalt und verloren zwei britische Soldaten, während weitere verwundet wurden. In drei aufeinander folgenden Operationen wurden etwa 36 Menschen getötet, und die Geschwindigkeit nahm noch zu.
Amerikanische Einheiten werden üblicherweise mit Nummern bezeichnet; britische Einheiten haben Namen. So wurden etwa die „Royal Green Jackets“ mit der „Royal Gloucester, Berkshire and Wiltshire Light Infantry“ und der „Devonshire and Dorset Light Infantry“ sowie der „Light Infantry“ zu einer neuen Einheit mit Namen „The Rifles“ zusammengefaßt. „The Rifles“ bestehen aus fünf Bataillonen, die entsprechend 1 Rifles, 2 Rifles, 3 Rifles, 4 Rifles und 5 Rifles heißen, also 1., 2., 3., 4. und 5. Rifles-Bataillon.
Früher im Jahr 2007 hatte ich das 2. Rifles-Bataillon auf Kampfeinsätzen in Basra begleitet, und zwar während der meisterhaft geplanten und durchgeführten „Operation Arezzo“. Das 2. Bataillon tötete etwa 26 Feinde, ohne selbst auch nur einen Kratzer zu erleiden. Sicherlich lachte das Glück dem 2. Bataillon an diesem Tag, aber es lachte besonders strahlend, weil das 2. Bataillon mit kampferfahrenen Leuten besetzt war, die nichts als gegeben voraussetzen und sich akribisch auf die Schlacht vorbereiteten, wie ich in einer Depesche über jene Mission bemerkte.
[Telic 9]„Der Plan für Operation Arezzo war raffiniert eingefädelt. Während Amerikaner in Kämpfen von gewollt hoher Intensität auf Hubschrauber-Unterstützung setzen, würden die Briten sich in Unterzahl und ohne Hubschrauber-Unterstützung in eine extrem feindselig gesinnte Umgebung begeben, und sich statt dessen auf Timing, Gelände, Beweglichkeit, Feuerkraft und blanke Verwegenheit verlassen.“
[Telic 9]„Im Gefecht kann Glück ein entscheidender Faktor sein, aber Murphys Gesetz bleibt weiterhin in Kraft. Für Operation Arezzo bestand offensichtlich von Beginn an die Gefahr, daß etwas auf katastrophale Weise schieflaufen könnte. Die Soldaten des fünften Platoons hatten noch nie eine derart waghalsige Operation ausgeführt – zumal am hellichten Tage – aber Lieutenant Colonel Maciejewski wollte dem Feind vor Augen führen, daß britische Truppen selbst in Unterzahl noch in ihre stärkste Bastion eindringen, dort einen Schlag gegen ihren Lebensnerv führen und ihnen schwere Verluste beibringen konnten.“
[Telic 9]„Der Feind war manchmal zu unseren beiden Seiten und beschoß uns aus zahlreichen Stellungen heraus, vom Boden wie von Häuserdächern. Das fünfte Platoon und andere erwiderten schweren Beschuß weiterhin mit präzisem Gegenfeuer. Ich sah einen Soldaten mehrfach seinen 40-mm-Granatwerfer abfeuern und Explosivgeschosse in hohem Bogen in feindliche Stellungen befördern. Ein britischer Scharfschütze feuerte vier Projektile ab. Ein 7,62-mm-Geschoß traf einen Bewaffneten auf einem Häuserdach in die Brust. Eine andere Kugel stoppte einen Schützen, der von einem Auto aus feuerte.“
[Telic 9]„Geschosse prallten auf die Seitenwände der Fahrzeuge. Die britischen Planer hatten vorausgesehen, daß die JAM zu diesem Zeitpunkt große Sprengsätze an unseren Ausgangsrouten plaziert haben würde, und der Plan der Kommandeure, diese Bedrohung auszuschalten, funktionierte bislang. Mindestens ein Sprengsatz war tatsächlich ausgelegt worden um uns zu erwischen, aber er explodierte zum falschen Zeitpunkt und verpaßte ein Bulldog-Fahrzeug.“
Das 2. Rifles-Bataillon – nach dem in der Depesche „British Soldiers at War“ beschriebenen Gefecht fotografiert – hatte hart gekämpft, Verluste erlitten und weitaus größere zugefügt, aber der Feind hatte sich für die wirklich ernsthaften Schlachten erst aufgewärmt. Es war eben dieser kampferfahrene Gegner, der das 4. Rifles-Regiment in Basra willkommen heißen würde, fest entschlossen, jeden irgend möglichen britischen Blutstropfen zu vergießen.
In Bewertungen der gegenwärtigen Kriege in Afghanistan und Irak herrscht die Meinung vor, daß Op Herrick 4 (in Afghanistan) die derzeitige Höchstmarke für schwere Kämpfe vorgibt. Aber daß ist anscheinend nur deshalb der Fall, weil so wenige Leute von Telic 10 im Irak wissen. Während der ersten drei Monate von Telic 10 gab es so viele Tote und doppelt so viele Verwundete wie während sechs Monaten Herrick 4.
Webb hatte in Nordirland gedient und zwei Dienstzeiten in Bosnien absolviert, aber dies war seine erste Auslandsverwendung im Irak. Sein Einheit aus dem 2. Bataillon des „Royal Welsh“-Regiments ist auch als „Kompanie B (Rorke’s Drift)“ bekannt, ein Name, der aus einer bedeutenden Schlacht mit Zulukriegern stammt. Ihre 120 Soldaten tragen den Beinamen „Welsh Warriors“ – walisische Krieger. Wenn sie an Patrouillen und Konvoifahrten des 4. Rifles-Bataillons teilnehmen, fahren die Welsh Warriors immer an der Spitze. Der Grund dafür liegt darin, daß das 4. Bataillon großteils mit älteren gepanzerten Bulldog-Fahrzeugen ausgestattet ist, deren Sensoren nicht sonderlich gut zum Aufspüren von versteckten Sprengsätzen und anderen Bedrohungen geeignet sind. Webbs Kompanie verwendet die moderneren Warriors (vergleichbar dem amerikanischen Bradley), deren technisch höherwertige Ausstattung ihnen die wenig beneidenswerte Aufgabe bescherte, ständig die Spitze der Formation zu bilden.
Am 21. Mai führte das 4. Rifles-Bataillon seine erste Operation auf den tödlichen Straßen Basras aus.
Der Feind hatte tödliche Fallen ausgelegt. Wie immer bildeten die Welsh Warriors die Spitze.
Michael Yon erhält weder Zahlungen noch sonstige finanzielle Leistungen von Rundfunksendern oder aus Kino-, Buch-, oder Fernseh-Vereinbarungen. Er wird ausschließlich durch Leser unterstützt. Er verläßt sich auf seine Leser, die ihm helfen seine Ausrüstung zu ersetzen und seine Ausgaben zu decken, so daß er im Irak bleiben und Ihnen die Geschichten unserer Soldaten weitergeben kann. Falls Sie seine Arbeit schätzen, ziehen Sie bitte in Erwägung, seine Mission zu unterstützen.
















